Westerwelle macht Wahlkampf auf Rücken von Lesben und Schwulen…

Vor ein paar Tage erreicht mich der Newsletter der GayGames2020 (kurz umschrieben und ganz wertneutral: die Homo-Olympiade, die im Sommer in Köln stattfinden wird). Mit großem Stolz wird angekündigt: Guido Westerwelle wird Schirmherr bei den VIII. Gay Games.

Peinlich, dass im englischen Text von “Sponsor” gesprochen wird – fließt da etwa noch Kohle, dass er den Job machen darf (…hat ja gerade von Mövenpick reichlich eingenommen ;-) …). Viel peinlicher, dass dies ganz zufälliger Weise ein paar Wochen vor der Landtagswahl in NRW geschieht, gerade da, wo die FDP mit Ihren Zahlen wieder gefährlich an ihre so vertrauten 5%-Marke gerät. Und am allerpeinlichsten, dass man Guido Westerwelle als ein Aushängeschild der Schwulenbewegung lobhudelt…

Guido ist einer unter vielen – aber wohl der Peinlichste

Die Nachricht macht mich richtig wütend. Natürlich, nicht nur in der schwulen Szene, sondern wenn man ein wenig googelt, stößt man ganz schnell in Foren auf die Frage “Ist Westerwelle schwul”, sprich, auch der Rest der Welt war es nicht verborgen geblieben, dass Guido auf Kerle steht.

Um ein berühmtes Zitat zu benutzen: “Und das ist auch gut so.” Will sagen, ich bin froh, dass wir derweil in einer toleranten Welt leben, in der auch Positionen ganz oben nicht mehr vom Status der eigenen Sexualität abhängen.

Aber Guido Westerwelle ist einer der Politiker, die bislang nichts Erkennbares für die schwule Szene getan haben, im Gegenteil, er unterstützt in den Punkten eher die Konservativen seiner Koalitionspartner.

Wenn ich oben genannten Newsletter lese, der mir vorgaukeln möchte, dass Westerwelle seit 2001 offen zu seiner Homosexualität bekennt, dann ist das schlicht weg gelogen.

Um Zitatgeber des oben verwendeten Spruchs zu nennen, Klaus Wowereit outet sich auf dem SPD-Sonderparteitag am 10. Juni 2001. Nun, sicher besitzt Wowi bei mir 100 Mal so viel Sympathie als Guido, man muss an dieser Stelle fairer Weise sagen: Wowereit hat sich auch nicht wirklich freiwillig geoutet, er ist damit nur einem Fremdouting vorweg gekommen. Aber er hat es in aller Anständigkeit getan.

In der Zeit nach Wowereits Outing wird langsam auch bekannt, dass nicht nur Berlins, sondern auch Hamburgs Oberbürgermeister Ole von Beust schwul ist. Nun, Ole von Beust hat sein Schwul-Sein bis heute zur Privat-Sache erklärt, und das ist ebenfalls auch gut so. Hier sollte keine Rosa von Praunheim’s Outings-Kampagne passieren, wie es Anfang der 90er geschehen ist. Das sollte die Entscheidung jedes einzelnen bleiben. Aber das wäre der Zeitpunkt für Westerwelle gewesen, einen Schritt nach vorne zugehen. Aber bis zum Outing vergehen weitere drei Jahre!

(Sch)westerwelle ist nichts zu schade, wenn es ein paar Prozentpunkte bringt.

Guido Westerwelle rauscht irgendwann bei Angela Merkels 50. mit seinem Liebsten auf, die ganze Presse schmeißt sich auf die längst bekannte Wahrheit. Ich höre noch seine Worte: Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, mich hat nur nie einer gefragt… Wie frech ist das überhaupt.

Ich bin natürlich froh für Guido Westerwelle, dass er endlich seinen Weg gefunden hat. Aber das Gehabe drum herum erfüllt genau die Erwartungshaltung, wie das “normale” Volk das gerne sieht: In einer gesitteten Beziehung, unauffällig, den Anschein vermeiden, dass er zu einer vermeintlich tendenziell eher promisken Gruppe von Leuten gehört. Alles schön sauber, im Prinzip ein-zu-eins wie hetero, nur dass da zwei Kerle mitspielen.

Schaut man noch mal genauer nach: Guido Westerwelle wurde im Sommer 2004 erstmalig mit Michael Mronz gesichtet. Was schreiben die da von den GayGames: 2001? Man redet sich das auch noch selber schön…

Vom Grunde finde ich es gut, dass wir den Außenminister als Schirmherrn haben. Wenn das ein Mann mit hohem Ansehen, einer politisch sozialen Absicht als auch jemand mit einer signifikanten homopolotischen Haltung wäre. Dann wäre ich sehr, sehr glücklich darüber. Ich unterstelle ihm jedoch, dass, wäre die FDP politisch stabil und würde nun endlich das zeigen, was sie können, was sie seit Jahren behauptet haben zu können – dann wäre Westerwelle im Sommer in Köln nicht zu sehen.

Schwule und Lesben haben in NRW politisches Gewicht

Laut Schätzungen sind es 50.000 – 80.000 Lesben und Schwule in Köln (auch wenn die Schätzungen sehr wage sind – es sind einfach viele…) – wenn man davon einige Stimmen gewinnt, dann hat das auch Gewicht für die Landtagswahl. Dieses Anbiedern ist mir peinlich, erzeugt bei mir Fremdschämen. Vor allem finde ich es als Teilnehmer der GayGames schlimm, mich instrumentalisieren lassen zu müssen. Die Veranstaltung GayGames ist ein Erlebnis, welches ich 2002 in Sydney erlebt habe. Sowohl für mich selber als auch für Sydney haben die Homo-Spiele einen großen Eindruck hinterlassen. Aber ich will mich nicht von Guido Westerwelle benutzen lassen, um die Stimmen für die Landtagswahl NRW in 2010 auf zu pimpern…

Vielleicht an der Stelle eine Wette: Es würde mich nicht wundern, wenn Westerwelle den eigenen Auftritt im Sommer – wenn die NRW-Wahl vorbei ist – abgesagt, und ein gelber Stadtvertreter die Rolle übernimmt. Na, oder Elfie Sho-Antwerpes. Aber dann lieber sie als lokale Größe mit einer leichten persönlichen Extravaganz, als ein Westerwelle, der nichts für die Homo-Szene tut, aber durchaus sieht, wo hier seine Vorteile liegen.

In diesem Sinne – man darf nur hoffen, dass die FDP abrauscht und man sich nach einem neuen Vorsitzenden umgucken muss… denn auch wenn es nicht meine Partei ist, wie cool waren Leute wie ein Genscher….

Kleiner Nachsatz: Stolpere gerade über eine Meinungsumfrage zur Lantagswahl NRW 2010 – damit wäre die FDP nach heutigem Stand draußen… ;-) hihi :D

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